{"id":334,"date":"2020-07-12T16:00:04","date_gmt":"2020-07-12T16:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/wp-box-eg2020.de\/?p=334"},"modified":"2020-07-12T07:42:00","modified_gmt":"2020-07-12T07:42:00","slug":"deinen-naechsten-lieben-wie-dich-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wp-box-eg2020.de\/?p=334","title":{"rendered":"deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein langer Artikel in der \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/religion\/kamocha-er-ist-wie-du\" target=\"_blank\">J\u00fcdischen Allgemeinen<\/a>\u201c \u00fcber dies \u2018wie du\u2019 oder \u2018wie dich selbst\u02bc, machte mich aufmerksam auf die Verschiebung, die dies Gebot erfahren hat. Der Autor (Jascha Nemtsov) macht deutlich, dass es im Zusammenhang mit dem Verzicht auf negatives Verhalten steht. Und dass es dabei ausdr\u00fccklich um ein Verhalten im Rahmen des eigenen Volkes geht! Auch wenige Verse sp\u00e4ter (19,34) kommt die selbe Formulierung in Bezug auf den Fremden in der eigenen Mitte, gefolgt von der Erinnerung daran, dass Israel selber Fremder war in \u00c4gypten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Lev. 19,16-18 Du sollst nicht als Verleumder umhergehen unter deinem Volk! Du sollst auch nicht auftreten wider deines N\u00e4chsten Blut! 17. Ich bin der HERR. Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen; strafen sollst du deinen N\u00e4chsten, da\u00df du nicht seinethalben Schuld tragen m\u00fcssest! 18. Du sollst nicht Rache \u00fcben, noch Groll behalten gegen die Kinder deines Volkes, sondern du sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst! Denn ich bin der HERR.<\/p>\n\n\n\n<p>Lev. 19,34 Ihr sollt euch gegen den Fremdling, der sich bei euch aufh\u00e4lt, benehmen, als w\u00e4re er bei euch geboren, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge in \u00c4gypten gewesen. Ich, der HERR, bin euer Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nicht leicht, die Bedeutungs- Verschiebung zu erkennen und zu deuten von diesem urspr\u00fcnglichen \u2018wie du\u2019 zu unserem eing\u00e4ngigeren \u2018wie dich selbst\u2019. Im Hebr\u00e4ischen stehen da drei Worte nebeneinander: \u05d5\u05b0\u05d0\u05b8\u05bd\u05d4\u05b7\u05d1\u05b0\u05ea\u05bc\u05b8\u05a5 \u05dc\u05b0\u05e8\u05b5\u05e2\u05b2\u05da\u05b8\u0596 \u05db\u05bc\u05b8\u05de\u0591\u05d5\u05b9\u05da\u05b8 wobei dein N\u00e4chster und wie du\/dich jeweils nur durch das Suffix der personellen Beziehung erkennbar ist. Es \u00fcbersetzt sich viel fl\u00fcssiger \u2013 zumindest im R\u00fcckblick nach 500 Jahren \u2013 lieben wie dich selbst. Doch je mehr ich es betrachte, desto deutlicher wird mir, dass diese \u00dcbersetzung eigentlich fordern m\u00fcsste, dass daf\u00fcr eine Verdoppelung des Pr\u00e4fixes \u2018le\u2019 (f\u00fcr den Akkusativ) n\u00f6tig w\u00e4re. Ich bin nicht sicher, ob es sprachlich \u00fcberhaupt angemessen ist \u2018kamocha\u2019 mit \u2018wie dich selbst\u2019 zu \u00fcbersetzen\u2019<\/p>\n\n\n\n<p>Verst\u00e4ndlich ist es allemal, dass ein \u00dcbersetzer zu diesem Schluss kommt, zumal die j\u00fcdische, griechische \u00dcbersetzung dieses Textes in der LXX \u2013 \u03ba\u03b1\u03b9 \u03b1\u03b3\u03b1\u03c0\u03b7\u03c3\u03b5\u03b9\u03c2 \u03c4\u03bf\u03bd \u03c0\u03bb\u03b7\u03c3\u03b9\u03bf\u03bd \u03c3\u03bf\u03c5 \u03c9\u03c2 \u03c3\u03b5\u03b1\u03c5\u03c4\u03bf\u03bd \u2013 genau diese \u00dcbersetzung vorgibt!<\/p>\n\n\n\n<p>Doch weist Jascha Nemtsov darauf hin, dass schon zu Zeiten des Hillel (* um 110 v. Chr.; \u2020 um 9 n.&nbsp;Chr.) das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Liebe auf Augenh\u00f6he in den Hintergrund getreten war.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBereits in der fr\u00fchen nachbiblischen Zeit wurde im j\u00fcdischen Denken das Gebot der N\u00e4chstenliebe, das nicht zum Dekalog \u2013 den wichtigsten zehn Geboten der Tora \u2013 geh\u00f6rte, aus seinem Kontext herausgegriffen und als ethische Grundlage von allgemeiner Bedeutung interpretiert. Entsprechend den universalistischen Tendenzen jener Zeit wurde dieses Gebot von Gelehrten wie Hillel oder Akiva als das wichtigste Tora-Gebot \u00fcberhaupt \u00fcberh\u00f6ht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es mag also schon damals, nach Abschluss des Alten Testaments, etwas von der Klarheit der Torah in Vergessenheit geraten sein. Die lutherische \u00dcbersetzung hat ja durchaus auch ihre Berechtigung, darf aber nicht verdecken, dass es weitergehende Unterschiede gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Begriffe f\u00fcr Liebe ahava und chesed kommen etwa gleich h\u00e4ufig im AT vor (~240 mal) und betreffen auch beide sowohl zwischenmenschliche Beziehungen als auch die Beziehung zwischen Gott und uns Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ber\u00fchrt mich sehr der Hinweis darauf, dass ahava eine Liebe auf Augenh\u00f6he bezeichnet, w\u00e4hrend bei chesed ein deutliches Gef\u00e4lle vorzuliegen scheint. Und darin h\u00f6re ich den Aufruf dieses Artikels: <em>Das Gebot der Liebe ist nicht wirklich erf\u00fcllt, wenn du in Herablassung dem Andern etwas Gutes tust und dich dabei \u00fcber ihn erhebst! Liebe ist erst dann vollst\u00e4ndig, wenn sie den N\u00e4chsten vollwertig neben sich ansehen kann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und wie steht es dann mit ahava zwischen Gott und uns?<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00fcrfen wir hier an die Sch\u00f6pfung erinnern, wo Gott sprach, ER wolle Menschen machen nach seinem Bild, IHM gleich?<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nnte es sein, dass diese \u00c4hnlichkeit, Gleichartigkeit von Gott so weit gedacht ist, dass ER uns auf Augenh\u00f6he lieben will? K\u00f6nnte von daher die Freiheit verst\u00e4ndlicher werden, die ER uns Menschen gew\u00e4hrt?<\/p>\n\n\n\n<p>Dann w\u00e4re es auch ein St\u00fcck selbstverst\u00e4ndlich, dass ich im N\u00e4chsten das Abbild Gottes erkenne und die Liebe zu ihm neben der Liebe zu Gott gleichwertig als h\u00f6chstes Gebot bezeichnet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ist aber auch die herablassende Liebe, die dem Armen hilft und ihn zugleich verachtet, ein armes Zerrbild dessen, was uns aufgetragen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann geht es bei der wahren Liebe um eine echte Beziehung und Gemeinsamkeit unter Gott und miteinander IHM gegen\u00fcber. Hier werden viele Einzelne zu einem Wir, zu einem Volk Gottes, dass IHM dient.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich muss dazu der Einzelne selbst Gott von ganzem Herzen und mit allen F\u00e4higkeiten lieben, doch eingeordnet in das Wir der Gemeinschaft, die einst Gott schauen wird, ja, die als Gottes Eheweib bezeichnet werden kann. Ich stehe mitten unter meinen Schwestern und Br\u00fcdern Gott gegen\u00fcber in einer Liebe, von deren Ausma\u00df ich bestimmt noch kaum etwas ahne!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein langer Artikel in der \u201eJ\u00fcdischen Allgemeinen\u201c \u00fcber dies \u2018wie du\u2019 oder \u2018wie dich selbst\u02bc, machte mich aufmerksam auf die Verschiebung, die dies Gebot erfahren hat. Der Autor (Jascha Nemtsov) macht deutlich, dass es im Zusammenhang mit dem Verzicht auf negatives Verhalten steht. 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